Kirchen

Erlöserkirche

Erlöserkirche

Man nennt sie die „Bad Homburger Hagia Sophia“. Tatsächlich erinnert vieles in der evangelischen Kirche an Istanbuls beeindruckendes Bauwerk. Das Innere ist im neubyzantinischen Stil gestaltet: die Wände überaus reich mit Marmor verkleidet, die Decke mit Goldmosaiken überzogen. Das sechsarmige Lichtkreuz in der Vierungskuppel gleicht dagegen dem von San Marco in Venedig, Christus als Herr des Himmels und der Erden über dem weißen Marmoraltar erscheint wie in Ravenna.
Das mit Edelsteinen besetzte Altarkreuz hatte Kaiserin Auguste Viktoria ursprünglich für die Erlöserkirche in Jerusalem bestimmt. Sie und Kaiser Wilhelm II. zeichneten ideell und finanziell für den Bau der Erlöserkirche verantwortlich. Sie wurde 1908 geweiht und bot den evangelischen Christen endlich genügend Platz bei den Gottesdiensten. Der Kaiser selbst nahm, wenn er in Homburg weilte, in seiner Kaiserloge mit eigenem Zugang daran teil. Die mächtigen, quadratischen Türme der Erlöserkirche bestimmen zusammen mit denen der fast benachbarten, katholischen St. Marien-Kirche und dem Weißen Turm die Silhouette Bad Homburgs aus der Ferne.

www.erloeserkirche-badhomburg.de
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Schlosskirche

Integriert in einen der Schlossflügel, ist die säkularisierte Schlosskirche äußerlich unscheinbar, doch ihr Inneres zeigt sich in einem herrlichen, restaurierten Zustand. Sie wurde 1696 für die evangelisch-lutherischen Christen der Stadt erbaut und diente zugleich als Grabstätte der landgräflichen Familie. In der Gruft unter dem Altarraum fanden 77 ihrer Mitglieder die letzte Ruhestätte.
Nach der Fertigstellung der Erlöserkirche 1908 fiel die Schlosskirche in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst eine Bürgerinitiative erweckte. Das „Kuratorium Bad Homburger Schlosskirche“ sammelte Gelder für die Restaurierung und brachte neues Leben in die historischen Mauern, die seit 1989 für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Rekonstruiert wurde auch die Bürgy-Orgel aus den 1780er Jahren, von der lediglich der Prospekt stehen geblieben war. Sie ist eine der acht wertvollen Orgeln aus unterschiedlichen Zeitepochen, die den Ruf Bad Homburgs als Orgelstadt und des renommierten Internationalen Orgel-Festivals FUGATO begründen.

Waldenser-Kirche

Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg war zwar ein absolutistischer Herrscher, aber in religiösen Fragen ein toleranter Mann. Er gewährte französischen Glaubensflüchtlingen Asyl. Unter anderem gab er im Sommer 1699 40 Waldenser-Familien 200 Morgen Land in Dornholzhausen, dem heutigen Stadtteil Bad Homburgs. Die „Réfugiés“ bauten zunächst eine kleine Holzkirche, 1726 dann das heutige steinerne Gotteshaus. Neben der Kirche blieb ein weiteres Zeugnis dieser Zeit erhalten: eine französischsprachige Bibel von 1563. Die evangelische Waldenser-Kirchengemeinde hat etwa 1800 Gemeindeglieder.

St. Marien-Kirche

St. Marien-Kirche

Nur wenige Schritte von der evangelischen Erlöserkirche entfernt, steht in der Dorotheenstraße auch die katholische Hauptkirche Bad Homburgs, die 1895 geweihte St. Marien-Kirche. Der Mainzer Dombaumeister Ludwig Becker entwarf sie in neugotischer Form. Wände und Gewölbe des breiten Langschiffes, der schmalen Seitenschiffe und des kurzen Querschiffes sind sparsam bemalt. Ein Kranz hoher Spitzbogenfenster ziert den Chor.
Sehenswert sind neben den geschnitzten Altären auch drei wertvolle Kunstwerke: eine um 1380 geschaffene mittelrheinische Pietà aus Lindenholz, eine niederrheinische Kreuzigungsgruppe aus Eichenholz aus der Zeit um 1450 und ein großes spätgotisches Triumphkreuz, das wahrscheinlich ein fränkischer Meister um 1500 gestaltete.
1975 erhielt die St. Marien-Kirche eine Orgel der Bonner Firma Klais. Sie vereint den modernen mit dem romantischen Stil, weil Register aus dem Vorgängerinstrument eingefügt wurden und bereichert so die „Orgellandschaft“ Bad Homburgs.

www.st-marien-hg.de
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Herz-Jesu-Kirche und Heilig-Kreuz-Kirche

Herz-Jesu-Kirche und Heilig-Kreuz-Kirche

Der Pfarrei St. Marien als Filialkirchen zugeordnet sind heute die Herz-Jesu-Kirche in der im westlichen Teil der Stadt gelegenen Gartenfeldsiedlung sowie die Heilig-Kreuz-Kirche im östlichen Stadtteil Gonzenheim. Sie entstanden nach dem 2. Weltkrieg, als der Anteil der katholischen Bevölkerung stark zunahm. Die moderne Herz-Jesu-Kirche mit 420 Sitzplätzen wurde 1969 geweiht. Sie ist in Hauptschiff und Werktagskapelle sowie Tauf- und Marienkapelle gegliedert.
Schon bald zu klein wurde die 1952/53 erbaute Heilig-Kreuz-Kirche, weshalb sie als erste Nachkriegskirche in der Bundesrepublik 1959/60 erweitert werden musste. Außerdem war die Pfarrgemeinde eine der wenigen, die in diesen Jahren den Mut zu zeitgenössischer bildnerischer Ausschmückung hatte.
In der Heilig-Kreuz-Kirche steht mit der Walker-Orgel von 1867 eine Rarität. Sie ist das einzige Instrument des englischen Orgelbaus im 19. Jahrhundert auf dem Kontinent. Ursprünglich hatte sie ihren Platz in der Englischen Kirche, wurde dort aber nicht mehr benötigt. Für ihren Einbau musste die niedrige Decke der Kirche ein Stück weichen. 1994/95 wurde die Walker-Orgel restauriert – und die Gemeinde dafür mit dem Denkmalschutzpreis des Landes Hessen 1995 ausgezeichnet.

St. Johannes-Kirche

St. Johannes-Kirche

Als „Taunusdom“ wird die St. Johannes-Kirche liebevoll bezeichnet – weil sie die größte Kirche im Vordertaunus ist. Auf einer Anhöhe im Stadtteil Kirdorf gelegen, erheben sich ihre Türme über 50 Meter hoch. Sie wurde von dem Mainzer Dombaumeister Ignaz Opfermann im spätklassizistischen Rundbogenstil entworfen und 1862 geweiht. Charakteristisch ist die Symmetrie, die Gleichgestaltung der Gebäudeteile beiderseits der Längsachse und die Stellung der Türme. Der Günterslebener Kirchenmaler und Holzschneider Augustin Kolb sowie seine drei Söhne Waldemar, Alban und Ferdinand schufen 1923 bis 1925 die Jugendstilausmalung im Inneren.
Von Hermann Dreymann aus der bekannten Mainzer Orgelbauer-Familie stammt die denkmalgeschützte Orgel von 1861. Mitte der 1960er Jahre wurde sie von der Bonner Firma Klais restauriert und um ein 3. Manual erweitert.

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Gedächtniskirche

Eine Besonderheit ist diese evangelische Kirche im Stadtteil Kirdorf: Sie wurde von einem Bad Homburger Bürger gestiftet. Johann Georg Dippel kehrte nach seiner jahrelangen Tätigkeit als Finanz- und Grundstücksmakler in London für den Ruhestand nach Bad Homburg zurück. Und er erkannte die Notwendigkeit, dass auch die evangelischen Christen in Kirdorf ein Gotteshaus brauchten. Kirdorf war urkatholisch, aber nach der Eingemeindung im Jahr 1902 zogen immer mehr evangelische Homburger in den neuen Stadtteil. Am 17. August 1913 wurde die von Architekt Heinrich Jacobi gestaltete Gedächtniskirche eingeweiht.

Für die Inneneinrichtung reichten die Stiftungsgelder allerdings nicht. So spendierten andere Gemeindemitglieder die sieben runden Fenster, die der besondere Schmuck der Kirche sind. Im Mittelpunkt steht das Fenster-Bild über dem Altar, auf dem die Bergpredigt Jesu dargestellt ist.
Kaiser Wilhelm II. schenkte der Gedächtniskirche Kanzel, Altar, Taufstein, Kronleuchter und Abendmahlsgeräte aus dem 18. Jahrhundert. Sie stammen aus der Schlosskirche und wurden dort nicht mehr gebraucht, da zuvor die Erlöserkirche eingeweiht worden war.
1988 erhielt die Gedächtniskirche eine Orgel aus der Straßburger Werkstatt von Alfred Kern, die mehrfach schon beim Orgelfestival FUGATO zum Einsatz kam.

Evangelische Kirche Gonzenheim

Seit dem Mittelalter standen Vorgängerbauten an der Stelle der heutigen evangelischen Kirche im Stadtteil Gonzenheim. 1845 ersetzte die Gemeinde den baufällig gewordenen Turm durch einen neuen und zwar so, dass Bad Homburgs großer Baumeister Louis Jacobi 1876 an den Turm ein neues Kirchenschiff anbauen konnte.
In den 1930er Jahren wurde das Innere der Kirche dem Geschmack der Zeit angepasst. Doch bei einer Renovierung 1977 wurden einige Veränderungen bereits wieder rückgängig gemacht. Die heutige Innenausmalung der Kirche geht auf eine Renovierung im Jahre 2001 zurück. Dabei legten die Restauratoren die ursprüngliche Farbgebung aus dem 19. Jahrhundert zugrunde, z.B. bei der klassizistischen Kassettendecke oder den Lisenen. Links neben der Kanzel sind Reste der ehemaligen floralen Ausmalung freigelegt. Kanzel und Bänke wurden fachgerecht aufgearbeitet.

www.ev-kirchengemeinde-gonzenheim.de
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Christuskirche

Zehn Jahre dauerte es, bis der damalige Pfarrbezirk 3 der evangelischen Erlöserkirche sein eigenes Gotteshaus hatte. Die Christuskirche an der Stettiner Straße in der Berliner Siedlung wurde im Juni 1974 eingeweiht. Sie war notwendig geworden, weil Bad Homburgs Einwohnerzahl auch in diesen Jahren noch ständig stieg. 1976 wurde die Gemeinde selbstständig. Unter dem markanten Pyramidendach der Kirche befindet sich der künstlerisch ausgestaltete Gottesdienstraum.

Zur Himmelspforte

Im September 1731 wurde die evangelische Kirche „Zur Himmelspforte“ im damals noch eigenständigen Dorf Ober-Eschbach eingeweiht. Sie steht in der Bebauungsflucht der Ober-Eschbacher Straße und wurde mehrfach renoviert. Die Innenrenovierung Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre richtete sich nach der klassizistischen Gestaltung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hinzu kam künstlerischer Schmuck, der von dem 2005 verstorbenen Bildhauer Christof Krause und der Malerin und Grafikerin Margot Lindig gestaltet wurde. Ein Kleinod und Teil der Bad Homburger „Orgellandschaft“ ist die 1849 gebaute, kleine Orgel von Wilhelm Bernhard.

St. Elisabeth-Kirche

St. Elisabeth ist die jüngste Kirche in Bad Homburg und wurde im Dezember 1995 geweiht. Mit ihrem Bau im Neubaugebiet „Leimenkaut“ endete für die Katholiken im 1972 nach Bad Homburg eingemeindeten Ober-Eschbach ein Jahrzehnte langes Provisorium. Der Zustrom von zumeist katholischen Flüchtlingen und Spätaussiedlern hatte 1946 zur Gründung der Gemeinde geführt, die zunächst Räume der evangelischen Christen mitnutzen konnten. 1964 wurde die Notkapelle St. Elisabeth errichtet, die jedoch nur 100 Gläubigen Platz bot.

St. Martin-Kirche

St. Martin-Kirche

Die reich ausgestattete Barockkirche St. Martin in Ober-Erlenbach, das seit 1972 ein Stadtteil Bad Homburgs ist, wurde 1765 unter dem Grafen Johann Philipp von Ingelheim gebaut. Der barocke Hochaltar und die beiden Seitenaltäre kamen 1808 aus dem aufgehobenen Kloster Ilbenstadt in die kunsthistorisch wertvolle Kirche.
Die romantische Orgel, 1839 von dem bekannten Mainzer Orgelbaumeister Bernhard Dreymann erbaut, ist ein Glanzstück der Orgelkunst des 19. Jahrhunderts und Teil der Bad Homburger „Orgellandschaft“. Sie wurde 1985 restauriert und erhielt 1990 drei Register, die Dreymann zwar vorgesehen, aber nicht eingebaut hatte.