Landgräfliche Gartenlandschaft

„Wie Perlen an einer Schnur“ reihen sich die landgräflichen Gärten an der Tannenwaldallee und ihrer ebenfalls schnurgeraden Verlängerung, der Elisabethenschneise. Rund acht Kilometer führt die Achse vom Schlosspark hinauf in den Taunus bis zum römischen Grenzwall Limes. Die „Landgräfliche Gartenlandschaft Bad Homburg v. d. Höhe“ stellt ein in ihrer Form in Deutschland einmaliges Ensemble dar. Zwei Generationen der Landgrafenfamilie gestalteten es ab 1770. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerieten die Gärten in Vergessenheit, verwilderten oder wurden zum Teil sogar bebaut. Vor einigen Jahren aber erkannte man ihre Bedeutung und seitdem werden sie, so weit es machbar ist, wieder hergestellt.

In seiner einstigen Schönheit wiedererstanden ist bereits der Forstgarten, der Kleine Tannenwald wurde schon in wesentlichen Bereichen saniert. In beiden Parkanlagen finden Besucher rund um die Teiche eine wunderbare, romantische Atmosphäre. Der Hirschgarten mit seinem Gehege – und einer guten Gastronomie – blieb in seinen Grundstrukturen über die Zeit hinweg weit gehend erhalten, ebenso der im englischen Stil gehaltene Gustavsgarten, der erst 2010 wieder in den Besitz der Stadt Bad Homburg gelangte. Die Restaurierung weiterer Anlagen im Stil der englischen Gartenkunst bzw. von Waldparks ist in Arbeit oder in der Planung. Informationstafeln erläutern vor Ort die Bedeutung der Landgräflichen Gartenlandschaft sowie der einzelnen Gärten.

Der Schlosspark

1770 begannen Landgraf Friedrich V. Ludwig und seine aus dem Haus Darmstadt stammende Frau Caroline das Projekt, das heute „Landgräfliche Gartenlandschaft Bad Homburg“ heißt. Zunächst ließen sie das bis dahin formal angelegte Gelände am südwestlichen Fuß des Schlossbergs in einen englischen Landschaftspark verwandeln: Romantische Wege führen durch malerische Gehölzpartien, zum „Großen Teich“, der nun geschwungene Ufer erhielt, und zu versteckt liegenden Attraktionen. Der Barockgarten zwischen Löwengasse und Königsflügel blieb unverändert.

Ihr Sohn, Landgraf Friedrich VI. Joseph, und dessen Gattin, die englische Königstochter Elizabeth, nahmen nur wenige Verschönerungen vor. U.a. pflanzten sie vor dem Portal des Königsflügels zwei Libanon-Zedern, die Eliza von ihrem Bruder George zur Hochzeit erhalten hatte. Sie sind zu mächtigen Bäumen herangewachsen.

Tannenwaldallee und Elisabethenschneise

Vom „Weißen Tor“ des Schlossparks – heute am Hindenburgring – ließen Friedrich V. Ludwig und Caroline 1770 die Tannenwaldallee anlegen. Sie führt über 2,2 km schnurgerade Richtung Taunus und war damals von Säulenpappeln gesäumt. Wie Ausrufezeichen ragten sie in den Himmel, zu jener Zeit Sinnbilder Arkadiens, aber auch der aufklärerischen Philosophie von Freiheit und Toleranz. An einem Teilabschnitt der Allee in der Nähe des Gotischen Hauses sind bereits wieder Säulenpappeln gepflanzt worden. Von der „Weißen Brücke“ in Schlossparknähe kann man noch einen der rundgemauerten Brückenbögen sehen. Die Brücke, die 1820 in Carolinenbrücke umbenannt wurde, querte den in den Englischen Garten führenden Lohrbach und den ihn begleitenden Hohlweg „Schlockerfass“.

1821 wurde die Tannenwaldallee unter Friedrich VI. Joseph und Elizabeth verlängert. Die ebenfalls schnurgerade Elisabethenschneise reicht vom ab 1823 gebauten Gotischen Haus über 5,4 km bis zum römischen Grenzwall Limes. An ihr liegen die einzelnen Waldparks des Großen Tannenwaldes.

Der Englische Garten

Als einer der sechs „Prinzengärten“ gehörte das Areal dem späteren Landgrafen Friedrich VI. Joseph, gestaltet aber wurde es von seiner Frau Elizabeth. Hier setzte die leidenschaftliche Gärtnerin ab 1820 all das um, was sie in ihrer englischen Heimat in den Gärten ihres königlichen Vaters gelernt hatte. Weite Rasenflächen entstanden, Baumgruppen wuchsen heran, die Blumenbeete an den Wegen blühten in allen Farben, Laubengänge und Alleen spendeten Schatten. In drei Gewächshäusern gediehen seltene Pflanzen, Wein, Gemüse und exotische Obstsorten.

Nach 1866 ging der Englische Garten in Privatbesitz über und wechselte mehrfach die Eigentümer. Ab 1958 wurde er bebaut. Erhalten blieb das 1871 von Marie Blanc, der Frau des Spielbank-Gründers François Blanc, gestiftete Landgrafendenkmal auf dem Fußweg durch das Wohngebiet.

Der Louisgarten

Über den Garten des Prinzen Ludwig Wilhelm, genannt Louis, gibt es keine historischen Pläne. Louis war als Gouverneur der Festung Luxemburg nur selten in Homburg. Lediglich ein schmückendes Element ist bekannt: der Pompeji-Brunnen. Ludwig, ab 1829 Landgraf, ließ ihn 1836 nach einer Skizze anfertigen, die er auf einer Italien-Reise in der verschütteten Stadt gezeichnet hatte. Der Pompeji-Brunnen konnte nicht erhalten werden, eine Replik steht im unteren Schlosshof.

Mitte des 19. Jahrhunderts, als Homburg zum Kurbad von Weltruf aufstieg, wurde im Louisgarten eine Kaltwasserheilanstalt errichtet. Ab 1978 wurde das Gelände fast vollständig bebaut.

Der Gustavsgarten

Zurzeit kann man nur einen Blick durch das Tor in den Gustavsgarten werfen, der nach Friedrichs VI. Joseph drittjüngerem Bruder benannt ist. Aber auch diese Parkanlage im englischen Stil, von der viele Elemente noch existieren, soll wiederhergestellt werden. Sie trägt nicht nur die Handschrift Gustavs, sondern vor allem auch von dessen Frau Louise Friederike, die als Prinzessin des Hauses Anhalt-Dessau im Wörlitzer Gartenreich aufwuchs.

Die prächtige Villa, die der Frankfurter Bankier Wertheimber als späterer Besitzer des Gartens 1898 errichten ließ, war einer der Drehorte für die Fernsehserie „Geld Macht Liebe“.

Der Ferdinandsgarten

Ferdinand, der jüngste Prinz, liebte den Wald und die Jagd. Deshalb ließ er auf den rund neun Morgen, die ihm sein Bruder, Friedrich VI. Joseph, zum 40. Geburtstag 1823 schenkte, einen Tannenwald wachsen. 27.000 Fichtensetzlinge wurden gepflanzt und 65 Pfund Fichtensamen gesät.

Nach dem Tod Ferdinands 1866, dem letzten Landgrafen, erwarb Hofgärtner Merle das Gelände, holzte die Fichten ab, baute ein – nicht mehr vorhandenes – Café-Restaurant und eröffnete 1891 eine Baumschule. Sie existiert noch heute und ist im Besitz der Nachfahren Merles.

Der Kleine Tannenwald

Das in weiten Teilen bereits wieder hergestellte Juwel der „Landgräflichen Gartenlandschaft“! Der Kleine Tannenwald existierte schon im 17. Jahrhundert, nahm aber erst unter Landgraf Friedrich V. Ludwig und Caroline ab 1772 die heute zu sehende Gestalt an. Sie entschieden sich für den damals modernen anglo-chinoisen Stil: Es entstanden das ovale Eingangsparterre, der Teich mit einer Inselkolonnade, zu der eine Brücke führt, Laubengänge und Schlängelwege, die in „grünen Kabinetten“ mit Solitärbäumen, einer Grotte, einem Eiskeller oder einem Rosentempel endeten.

Die „englische Landgräfin“ Elizabeth, fügte ab 1822 weitere Attraktionen hinzu. Vor allem legte sie eine kleine Musterfarm nach englischem Vorbild mit einem „Cottage“ und einer Meierei für die Milchviehwirtschaft an. Diese Gebäude sind verfallen, sollen aber restauriert bzw. nach historischem Vorbild wieder aufgebaut werden.

Der Philippsgarten

Philipp erhielt seinen „Prinzengarten“ 1823, kümmerte sich aber nicht viel darum. Er lebte in Wien, der Heimat seiner im Homburger Schloss als nicht standesgemäß angesehenen Gattin, und kam erst 1839 nach Homburg zurück, um den Landgrafenthron zu besteigen. Der Philippsgarten wird seit Jahrzehnten landwirtschaftlich genutzt. Geplant ist, ihn als „Neuen Philippspark“ auch mit heutigen Elementen der Gartenarchitektur zu gestalten.

Der Große Tannenwald

Der Große Tannenwald ist der Oberbegriff für die Einzelanlagen an der Elisabethenschneise, die die Landgrafen ab 1771 als Waldparks formten. Die naturnahen Räume stellen gleichsam ein Gegengewicht zu den intensiv gestalteten Gärten dar. Aber auch sie spiegeln die ästhetischen Ideale des englischen Landschaftsbaus und die philosophischen der Aufklärung wider.

Der sich bis zum Limes erstreckende Große Tannenwald beginnt am Gotischen Haus, das Friedrich VI. Joseph und Elizabeth ab 1823 als Jagdschloss im Stil des „gothic revival“ bauen ließen. Heute beherbergt das Gotische Haus das städtische Museum, das Stadtarchiv und eine Cafeteria.

Der Lustwald „Die Große Tanne“

Gleich hinter dem Gotischen Haus liegt diese Einzelanlage des Großen Tannenwaldes, die zwischen 1771 und 1773 entstand. Friedrich V. Ludwig und Caroline gestalteten sie mit Jagdhaus, Teichen und Wasserkaskade, die noch in Ansätzen zu erkennen sind, einer Eremitage und anderem mehr. Gerne zogen sie sich hierher zurück, um sich vom höfischen Protokoll zu erholen.

Die Wiederherstellung des Lustwaldes steckt noch in den Anfängen. Sehenswert sind die Landgrafensäule (eine Kopie) auf dem „Rond Point“ und das Pferdegrab. 1773 gab Friedrich V. Ludwig seinem geliebten treuen Pferd Magyar hier die letzte Ruhestätte.

Buschwiesen und Forellenteich

Tritt man aus „Der Großen Tanne“ heraus, öffnet sich eine weite, offene Grasfläche vor dem Waldgebiet „Großer Busch“. Sie wird zum Teil als Grillwiese genutzt, gehört aber zur „Landgräflichen Gartenlandschaft“. Friedrich V. Ludwig schuf mit ihr ein Spiel von Licht und Schatten.

Jenseits der Buschwiesen verband der Landgraf Ästhetisches mit dem Nützlichen. Er ließ einen zweigeteilten Forellenteich anlegen, der die Fische für die Schlossküche lieferte. Der eine Teil wurde trocken gelegt, an dem anderen ist ein Angelverein zuhause.

Der Forstgarten

Vollständig in historischer Pracht präsentiert sich bereits wieder der Forstgarten. Er stellt innerhalb der „Landgräflichen Gartenlandschaft“ ein herausragendes Beispiel für die Philosophie dar, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden. In ihm vereinten Friedrich VI. Joseph und Elizabeth ab 1821 eine idyllische landschaftliche Gestaltung – z.B. der Teich mit dem Teehäuschen – mit der funktionalen Nutzung als Pflanzenschule.

Das Landgrafenpaar kultivierte in den „Kämpen“ exotische Pflanzen und erprobten sie auf ihre Eignung für das mitteleuropäische Klima, um sie dann im Schlosspark oder in den landgräflichen Gärten zu pflanzen. Auch als Baumschule für heimische Gehölze diente der Forstgarten.

Der Hirschgarten

Der Hirschgarten ist eine der weit gehend erhalten gebliebenen Anlagen der „Landgräflichen Gartenlandschaft Bad Homburg“. Seine Historie kann bis Landgraf Friedrich II. mit dem silbernen Bein zurückverfolgt werden, der das Gelände schon Ende des 17. Jahrhunderts als Jagdgebiet nutzte. Seine eigentliche Gestaltung aber erhielt der Hirschgarten 1822 unter Landgraf Friedrich VI. Joseph.
Als die Gründer der Homburger Spielbank, die Brüder Blanc, die Anlage pachteten, richteten sie 1858 im Pürschhäuschen eine erste Gastwirtschaft ein. Das bisherige Jagdgelände der höfischen Adelsgesellschaft wandelte sich zum reinen Wildpark als Ausflugsziel für die Bürger und Kurgäste der Stadt. Aus diesem Grund wurde der Hirschgarten verkleinert. Er umfasst jetzt nur noch ein Fünftel seiner einstigen Größe.

Landschaftspark Elisabethenschneise

Den bis zum Limes reichenden Waldpark beließen die Landgrafen als bewussten Kontrast zu den intensiv gestalteten Gärten mehr oder weniger in seiner natürlichen Form. Aber sie werteten ihn durch bauliche Elemente ästhetisch auf, die gleichsam in den Wald eingestreut waren und von den Spaziergängern eher zufällig gefunden wurden. Dazu gehören ein Obelisk, die beiden Adelheidsteine sowie die Leopolds- und die Landgrafenbrücke.

Außerdem bezogen die Landgrafen die Relikte der Kelten, Germanen und Römer in ihr Konzept ein sowie natürliche Besonderheiten, wie den Goldgrubenfelsen, den Elisabethenstein, die Luthereiche oder das Krausbäumchen, eine eigentümlich gewachsene Buche.