11.03.2019

Die Kurstadt Homburg im Spiegel früher Fotografien und Ansichtspostkarten

Die Fotografie ist 180 Jahre alt und hat seinerzeit die Sichtweise auf unsere Welt ebenso verändert wie heute der Computer. Beides gestattete die Vermittlung von sehr viel mehr Informationen als es zuvor der Fall war. Seit 1839 machten sich Wanderfotografen, die mit dem neuen Geschäftszweig Geld verdienen wollten, auf den Weg und lichteten Ansichten von Städten und der in ihnen lebenden Menschen ab. In der Kurstadt Homburg vor der Höhe soll der erste seines Faches bereits 1840 aufgetaucht sein. Nun waren nicht mehr zeitaufwändige Malereien nötig, um Verwandte und Freunde zu informieren. Die Fotos, speziell auch als Ansichtspostkarten, traten ihren Weg um die Welt an.

Um beim Beispiel Bad Homburg zu bleiben, der Kurstadt, die sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmender Beliebtheit bei in- und ausländischen Gästen erfreute: Die Besucher verschickten diese Ansichten zu gerne, um ihren Lieben zu zeigen: Das ist der Ort, an dem wir uns so wohl fühlen. Oder sie nahmen sie mit in ihre Heimat als Erinnerung an einen erhol- und unterhaltsamen Ferienaufenthalt. Das Stadtarchiv Bad Homburg in der Villa Wertheimber hat einen riesigen Bestand sowohl an Fotos als auch an Ansichtskarten. Ihm widmet es Mitte März zwei Veranstaltungen: einen Vortrag und einen Stöbertag.

Dr. Eberhard Mayer-Wegelin, der sich auf die Fotografie-Geschichte spezialisiert und verschiedene Beiträge zu dem Thema veröffentlicht hat, berichtet über die Entwicklung der Fotografie und verdeutlicht sie mit exemplarischen Aufnahmen aus der Kurstadt. Ihre Heilquellen, der Kurpark, die Spielbank und die ersten Tennisplätze des Kontinents übten gerade auf ausländische Kurgäste eine große Anziehungskraft aus. Gezeigt werden frühe und meist unbekannte Fotografien von ca. 1865 bis ca. 1895, und zwar vom Schloss, vom Kurhaus, von den Neubauten rund um die Louisenstraße, von den Brunnen im Kurpark bis hin zum Fürstenbahnhof und einem Blick nach Kirdorf. Der Vortrag „Homburg vor der Höhe als aufstrebende Kurstadt“ findet am Mittwoch, 13. März, um 19 Uhr im Stadtarchiv in der Villa Wertheimber, Tannenwaldallee 50, statt.  

Nur drei Tage später, am Samstag, 16. März, erhalten Interessierte ab 14 Uhr am selben Ort einen noch intensiveren Einblick in das Metier: beim Stöbertag, bei dem man selbstständig einen Teil des reichhaltigen Stadtarchiv-Bestandes durchforsten kann. Die Fotomotive variieren von künstlerischen, technischen, kulturellen und wirtschaftlichen Sujets bis hin zu Darstellungen des Alltagslebens. Zahlreiche Zeugnisse stammen von bedeutenden Fotografen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, darunter auch international bekannte Namen, wie z.B. Francis Frith (1822-1898). Daneben enthält der Bestand mehr als 100 zum Teil recht wertvolle Foto- und Reisealben, die die Wertschätzung der Kurstadt-Gäste deutlich werden lassen. 

Eine eigenständige Bildgattung und beliebte Sammelobjekte sind die Ansichtspostkarten. Gesamtansichten, Abbildungen der großen sakralen und profanen Bauwerke, der Straßen und Marktplätze, Wohn- und Geschäftshäuser sowie Denkmäler und Grünanlagen, aber auch Produktionsstätten erzählen viel über das einstige Homburg vor der Höhe. Am häufigsten abgebildet wurde und wird der Kurpark in allen Einzelheiten, beliebtestes Motiv in der Umgebung ist die Saalburg. 

Zwei Fachleute stehen am Stöbertag bereit, um Fragen zu beantworten: Foto-Experte Dr. Mayer-Wegelin sowie Bernd Ochs, der ein ausgewiesener Kenner ist, wenn es um Ansichtspostkarten geht. Der Eintritt ist für beide Veranstaltungen frei.

 

 

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