27.03.2019

Hochgelobtes Frühwerk des Malers Carl Stolz, einem Vertreter der Weimarer Maler-schule

Carl Stolz war ein Bad Homburger Maler, der seine Kreise durch die Ausstellungsorte Deutschlands zog. Seine Werke fanden großes Lob: vortrefflich gezeichnet, hieß es. Man hob die kompositorischen Fähigkeiten, die Harmonie der Linien, die kühnen Farbgegensätze sowie das Spiel der Blätterschatten und der Sonnenlichter hervor. Carl Stolz lebte von 1894 bis 1978 und hatte den Höhepunkt seiner Karriere in den 1920er- und 1930er-Jahren. Im Gegensatz zu den Gemälden, die in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, war das Frühwerk bisher kaum bekannt. Das Städtische historische Museum Bad Homburg hat es nach der Übereignung zweier früher Gemälde durch die Familie des Künstlers an das Museum neu entdeckt und stellt die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vor: „In neuem Licht“ heißt die Ausstellung im Museum Gotisches Haus, Tannenwaldweg 102, die vom 7. April bis 7. Juli zu sehen ist. 

In der Zeit der Weimarer Republik schuf Carl Stolz, der am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium sein Abitur ablegte, an der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ausgebildet wurde und 1917/1918 als Soldat in der Postüberwachungsstelle in Straßburg diente, Gemälde, die in der Tradition der Weimarer Malerschule standen. Ihr Kennzeichen war das virtuose Spiel mit Licht und Schatten, sie sind einem späten Impressionismus verpflichtet. Thematisch handelt es sich um Bilder mit privaten Motiven aus der Familie, mit Szenen aus Bad Homburger Parks, Menschen bei der Freizeit oder bei der Arbeit. Das große Gemälde „Die Vier Lebensalter“ von 1923, das das Bad Homburger Museum 2018 erwarb, sticht aus dem Frühwerk heraus. Mit diesem symbolistischen Werk beendete Carl Stolz seine Weimarer Zeit. Durch die Öffnung zum Impressionismus hin wurde er dann zum letzten Vertreter der Weimarer Malerschule. 

Mit diesen Werken und den später, nach einem längeren Aufenthalt in England Mitte der 1920er Jahre entstandenen Arbeiten fand er seinen eigenständigen Stil und eine erkennbare Pinselschrift. Zu dieser Zeit feierte er auch seinen Durchbruch in der Kunstszene. Er hatte bedeutende Ausstellungserfolge in Frankfurt, Wiesbaden, Karlsruhe, München, Stuttgart und Weimar. „Man sieht eine ganze Reihe der vom Sonnenspiel erfüllten Vortaunusbilder des Idyllikers Stolz. Aus allen Jahreszeiten holt dieser Verkündiger der herbstfreundlichen Ländlichkeit um Homburg seine lichtdurchflossenen Motive“, hieß es zum Beispiel 1931 in der Frankfurter Post über die Ausstellung in Wiesbaden. 

Ab der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre änderten sich Stil und Motivik im Werk von Carl Stolz. In der Zeit des Nationalsozialismus um Aufträge ringend, malte er nun pflügende Bauern, nordische Typen, Offiziere und Kriegsszenen. Diese Bilder sind zumeist durch Fotografien bekannt. 

Der Künstler fand nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er zeitweilig als Soldat diente, nicht mehr zur Qualität seines Werkes aus der Zeit der Weimarer Republik zurück. Um vor allem das qualitätvolle Frühwerk wieder bekannt zu machen, beschränkt sich die Ausstellung auf diese Jahre und verzichtet auch auf die Präsentation der zahlreich überlieferten Landschaftsbilder der 1950er- bis 1970er-Jahre, die vielfach in der Städtischen Kunstsammlung und in privaten Sammlungen vertreten sind. 

Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 2,00 €. Führungen auf Anfrage. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. An Sonderveranstaltungen sind ein Kinder-Preview zur Ausstellung am 6. April um 14 Uhr vorgesehen sowie Sonderführungen mit der Leiterin des Städtischen historischen Museums, Dr. Ursula Grzechca-Mohr, am 16. April, 21. Mi und 18. Juni jeweils um 18 Uhr im Museum Gotisches Haus. Am Sonntag, 19. Mai, hält der Wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Peter Lingens um 15.30 Uhr einen Lichtbilder-Vortrag über Carl Stolz.

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