06.06.2019

Die Maske über der Maske – Freddy Langers Fotos von Prominenten mit Schlafbrillen

Als Leiter des Reiseblatts der F.A.Z. und als Fotograf ist Freddy Langer viel unterwegs und muss sicherlich, um die nötige „Mütze Schlaf“ zu bekommen, in Bahn oder Flugzeug die Augen zumachen. Ihm haben es Schlafbrillen angetan, aber nicht nur um der Ruhe willen, sondern auch seitdem ihn vor rund 40 Jahren ein Geistesblitz traf: Auf seinem Küchentisch lagen Kamera und Schlafbrille nebeneinander. Fortan fotografierte Freddy Langer viele Menschen mit der Augenbinde, hauptsächlich Prominente: Maler, Musiker, Schauspieler, Schriftsteller. Die meisten von ihnen wurden richtig hellhörig, als sie gebeten wurden, mit Schlafbrille fotografiert zu werden. Und kamen zu der beruhigenden Erkenntnis: „Wie schön! Man kann also gar nicht dumm in die Kamera blicken!“ Die Angst vor dem Bild scheint demnach selbst noch Künstler zu beschäftigen, die schon tausendfach fotografiert worden sind. Die Stadt Bad Homburg widmet Freddy Langer und seinen Schlafbrillen-Bildern jetzt eine eigene Ausstellung im Kulturzentrum Englische Kirche am Ferdinandsplatz. Sie kann vom 8. bis 30. Juni bei freiem Eintritt besichtigt werden – mittwochs bis freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. Eröffnet wird die Schau am Freitag, 7. Juni, um 19 Uhr.

In der Regel erstarrt das Konterfei beim Anblick eines Fotoapparats reflexartig zur Maske. Und nun also die Maske über der Maske. Daraus folgt die Frage: Erkennt man mich überhaupt noch? Man tut es. Einerlei, ob die Personen sich eingeschüchtert an eine Wand drückten, wie Robert Mapplethorpe, der dazu sagte: „Das ist ja wie bei einer Exekution“, oder ob sie frech und selbstbewusst in die Kamera lächelten, wie Claudia Cardinale, die den Moment der Aufnahme als ihre eigene Show zelebrierte und während eines Empfangs die Schlafbrille erst vor ihr Gesicht hielt, nachdem sie lautstark und mit charmantem Akzent Dutzende weitere Fotografen herbeigerufen hatte.

Eines der ersten Bilder war das von Künstler Joseph Beuys in den 1980er Jahren. Das Foto von Andy Warhol fungierte dann als Türöffner, um andere Prominente von dem Projekt zu überzeugen. „Es ist spannend, wie Gesichter, die eine Maske sind, sich verändern“, beschrieb Freddy Langer einmal seine Motivation. Wenn ihm gelingt, durch sein außergewöhnliches Stilmittel den Menschen hinter dem Star darzustellen, hat er sein Ziel erreicht. „Prominente werden normalerweise buchstäblich tot fotografiert, weil sie genau wissen, was sie tun müssen, wenn sie eine Kamera sehen“, erkannte Langer. „Die Schlafbrille nimmt ihnen die Kontrolle.“

Aber seitdem die Aufnahmen in zahlreichen Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht und in etlichen Ausstellungen gezeigt wurden und zwei Bücher füllen, kann sich Langer die Erklärung mitunter sparen. Als er Ulrich Wickert ansprach, um ihn für sein Projekt zu gewinnen, unterbrach der ihn gleich im ersten Satz und sagte: „Wurde ja auch langsam Zeit, dass Sie mich fragen.“

 

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