Bad Homburg Bot
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28.08.2020

Mit der Smartphone-App „Hölderlin Heterotopia“ auf dem Hölderlin-Pfad

Seit mehr als zehn Jahren ist der 22 Kilometer lange Hölderlin-Pfad zwischen Bad Homburg und Frankfurt ausgewiesen, eine Wegstrecke, die, so nimmt man an, der nach Homburg geflüchtete Dichter lief, um heimlich seine Geliebte Susette zu treffen. Zur 250. Wiederkehr von Hölderlins Geburtstag in diesem Jahr haben das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm und der japanische Bühnen-Regisseur Akira Takayama dem Erinnerungspfad ein Highlight hinzugefügt: einen App-gestützten Audiowalk mit Erzählungen internationaler Autoren. Er soll zur Eröffnung einer Hölderlin-Festwoche von Freiem Deutschen Hochstift, Kulturamt der Stadt Frankfurt und dem Kulturfonds FrankfurtRheinMain am 19. September freigeschaltet werden. 

Für die App spürten Akira Takayama und das von ihm gegründete Theater-Kollektiv Port B an Orten entlang des Hölderlin-Pfades zwischen dem Sinclair-Haus nahe dem Bad Homburger Schloss und dem Goethe-Haus in Frankfurt verschiedenen Einflüssen von Migration nach. Sie fassten die Ereignisse in Dossiers zusammen, verbanden sie mit Hölderlin-Texten und baten internationale Autoren um neue Texte, Erzählungen und Gedichte. Sie sind an den entsprechenden Stationen auf dem Hölderlin-Pfad zu hören. Die Audiobeiträge stammen von Alexander Kluge, Deniz Utlu, Elfriede Jelinek, Helene Hegemann, Keijiro Suga, Kelly Copper, Lina Majdalanie, Marcel Beyer, Maria Stefanopoulou, Navid Kermani, Nuno Ramos und anderen. 

Sie erzählen von den Widersprüchen und Unvereinbarkeiten zwischen Biografie, Politik und Sprache in unserer Gegenwart und lassen sich dabei von Hölderlin leiten. Die Künstler nannten die App „Hölderlin Heterotopia“ – nach dem Begriff, den 1967 der Philosoph Michel Foucault geprägt hatte. Gesucht wird nach jenen „anderen“ Gesetzmäßigkeiten und Regeln für das eigene Leben, die außerhalb der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung stehen und dennoch zutiefst in sie eingebettet sind. 

Akira Takayama und Port B setzen sich mit den Grenzen des  Theaters und Möglichkeiten der Weiterentwicklung zusammen mit anderen Medien auseinander. Der Japaner, der assoziierter Künstler am Mousonturm ist, verwirklichte bereits etliche seiner Projekte zusammen mit renommierten Kulturinstitutionen weltweit, etwa in Sydney, Athen oder Beirut. In Frankfurt entwickelte er 2014 das Projekt „Evakuieren“, in dem über 30 S- und U-Bahn- Stationen in der Rhein-Main Region zu Startpunkten für individuelle Erkundungstouren zu verschiedenen gesellschaftlichen Communities und theatralen Ready-Mades wurden. 

Die App „Hölderlin Heterotopia“ kann kostenlos unter www.mousonturm.de heruntergeladen werden.

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