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26.10.2020

Hölderlin-Preisverleihung an Navid Kermani am 1. November im Livestream auf YouTube

Mit Navid Kermani erhält einer der renommiertesten Autoren, Essayisten und Redner Deutschlands den Hölderlinpreis 2020 der Stadt Bad Homburg. Die Auszeichnung für das Gesamtwerk gehört zu den bedeutenden Literaturpreisen des Landes und ist mit 20.000 Euro dotiert. Der Förderpreis in Höhe von 7500 Euro geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Dana von Suffrin für ihren Debütroman „Otto“. Im Frühjahr musste der Festakt wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden, nun wurde er auf den Sonntag, 1. November, um 11 Uhr in der Schlosskirche gelegt. Allerdings kann er auch diesmal nicht in gewohnter Weise stattfinden, so dass der Teilnehmerkreis begrenzt werden musste. Bad Homburg wird die Preisverleihung deshalb im Livestream ins Internet stellen, so dass jeder Interessierte sie verfolgen kann: Erreichbar über den YouTube-Kanal „Kultur live Bad Homburg“ bzw. den Link https://www.youtube.com/channel/UCE6miWmsr5JgbQVM5tHP-pQ. 

Außerdem wird Navid Kermani am Vorabend im Landgraf-Friedrich-Saal des Kurhauses in einem moderierten Gespräch mit dem Dramaturgen Carl Hegemann sein Werk vorstellen (Samstag, 31. Oktober, 20 Uhr). Eintrittskarten für „Eine Begegnung mit Navid Kermani“ kosten 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. Sie sind bei Tourist Info + Service im Kurhaus, Tel. 06172-178 3710, E-Mail tourist-info@kuk.bad-homburg.de, oder bei Frankfurt Ticket, Tel. 069-13 40 400 oder www.frankfurt-ticket.de, erhältlich. Es gelten die Hygieneregeln der Stadt Bad Homburg.

Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, spielt im Schaffen Kermanis eine nicht unerhebliche Rolle. Seine Frankfurter Poetik-Vorlesung 2011 hatte neben Jean Paul auch ihn zum Thema. Im Januar dieses Jahre legte der Schriftsteller unter dem Titel „Bald sind wir aber Gesang“ eine Auswahl aus Hölderlins Werken und Briefen vor. Im Übrigen reichen die Themen Kermanis vom Iran, dem Koran und dem Christentum über seine Reisen in die Krisengebiete des Nahen Ostens bis hin zum Rockmusiker Neil Young. Über 30 Bücher schrieb der 53-Jährige bereits, dazu Essays, Reportagen und Monografien. Bekannt sind auch seine geschliffenen Reden. Hoch gelobt war vor allem die Festrede zum 65. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetze 2014.

Navid Kermani wuchs als Kind iranischer Eltern in Siegen auf, studierte Orientalistik, Philosophie und Theaterwissenschaften und promovierte und habilitierte sich in Bonn. Gastdozenturen und Gastprofessuren für Poetik und deutsche Literatur nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Göttingen, Mainz und Köln folgten, dazu ein einjähriges Stipendiat der berühmten Villa Massimo in Rom. Ebenso zahlreich wie seine Schriften sind die Auszeichnungen, mit denen der in Köln lebende Autor bedacht wurde, unter anderem mit dem Kleist-Preis, Hannah-Arendt-Preis, der Buber-Rosenzweig-Medaille, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, dem Marion Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung und dem Hessischer Kulturpreis.

 Für ihren 2019 erschienenen Erstling „Otto“ erhielt Dana von Suffrin bereits sechs Auszeichnungen. Sie verbindet in ihrem Roman Komik mit existentiellem Ernst und Trauer. Zugleich steht er in der Tradition der jüdischen Literatur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. 1985 geboren, studierte die Schriftstellerin Politikwissenschaft, jüdische Geschichte, Kultur und Literaturwissenschaft in München, wo sie auch über den deutschen zionistischen Botaniker Otto Warburg promovierte. Er traf um 1900 in Palästina agrarwissenschaftliche Vorbereitungen für den Aufbau eines jüdischen Staates.

 

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