17.03.2021

D.E. Sattlers Hölderlin-Forschung: Bücher und Editionsarchiv kommen nach Bad Homburg

Bad Homburg ist um eine Hölderlin-Attraktion reicher: um das Editionsarchiv des Hölderlin-Forschers D.E. Sattler und den Bereich seiner Privatbibliothek, die sich um den großen Dichter dreht. Archiv wie Bibliothek wurden von der Internationalen Hölderlin-Gesellschaft in Tübingen erworben und der Stadt Bad Homburg kostenlos als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. In wenigen Tagen bringen die drei Kinder Sattlers die Bibliothek aus dem nördlichen Schleswig-Holstein, wo die Familie lebt, nach Bad Homburg. Sie wird im ersten Obergeschoss der Villa Wertheimber in der Tannenwaldallee 50 neben dem Lesesaal des Stadtarchivs untergebracht. Die Bücher sind der Öffentlichkeit zugänglich. Ausleihen kann man sie nicht, wohl aber mit ihnen im Lesesaal arbeiten. In der Villa Wertheimber befindet sich auch die Hölderlin-Wohnung mit der dazu gehörenden eigenen Hölderlin-Bibliothek. Die Stadt Bad Homburg stellt diese Wohnung Forschern und Schriftstellern kostenlos für einige Monate zur Verfügung, damit sie hier wissenschaftlich oder literarisch arbeiten können.

D.E. Sattler erarbeitete über 30 Jahre die 20-bändige Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, die in KD Wolffs Verlag Roter Stern, später Stroemfeld, herausgegeben wurde. Anfangs als Provokation eines philologischen Laien kritisiert, gilt sie seit langem als Maßstab der Hölderlin-Edition. Sattler setzte einen Meilenstein für das Verständnis und das Lesen der Texte, indem er eine neue, revolutionäre Editionstechnik einführte. Sein erlernter Beruf als Typograf bot dafür die besten Voraussetzungen. Hölderlin korrigierte gerne über, unter und neben seinen Sätzen. Dadurch sind seine Handschriften nur sehr schwer, wenn überhaupt zu entziffern. Diese verschiedenen Varianten, Verwerfungen und Überarbeitungen machte Sattler sichtbar, indem er – auf Faksimiles – die Schichten von Hölderlins Arbeit am Text durch unterschiedliche typografische Gestaltung kennzeichnete. Auf diese Weise ist der Entstehungsprozess der Dichtungen, die Sattler auch historisch-kritisch kommentierte, sichtbar und nachvollziehbar. Man wirft gewissermaßen einen Blick in Hölderlins Werkstatt. 

Das Editionsarchiv Sattlers, das nun ebenfalls seinen Platz in Bad Homburg bekommt und das als „Hölderlin-Arbeitsstelle“ bezeichnet wird, gewährt wiederum einen Blick in die „Werkstatt“ Sattlers. Es enthält in zahlreichen Kartons alles, was der Autor zur Entstehung der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe benötigte, zum Beispiel Kopien aus Archiven und Bibliotheken – und vor allem Faksimiles aller Hölderlin-Handschriften. Die Privatbibliothek Sattlers zu Hölderlin umfasst über 650 Bücher und Publikationen, die in Zusammenhang mit dem Dichter stehen. 

Die Stadt Bad Homburg ehrt Friedrich Hölderlin, der zwei Mal über zwei Jahre in entscheidenden Phasen seines Lebens in der Stadt lebte – 1798 bis 1800 und 1804 bis 1806 –, nicht allein mit der Hölderlin-Wohnung. Besonders die jährliche Verleihung des Friedrich-Hölderlin-Literaturpreises seit 1983 hat ihr weltweite Anerkennung verschafft. Der Dichter schrieb in Homburg vor der Höhe viele seiner wichtigsten Werke. Die Stadt ist Eigentümerin des größten Konvoluts seiner Handschriften, die aus konservatorischen Gründen in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt werden. Im Stadtarchiv Bad Homburg kann man jedoch ihre Faksimiles einsehen. Außerdem wurden sie hier wie in Stuttgart digitalisiert. 

Zu finden sind sie auf der Internet-Seite https://www.stadtarchiv-bad-homburg.findbuch.net bei den Sammlungen (S-Bestände) als „S 21 Hölderlin-Handschriften“. Wie im Original sind die Handschriften in neun Mappen mit den Buchstaben A bis I geordnet.

 

 

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