12.04.2021

Wertvolle historische Objekte jetzt im „Schaudepot im Horex Museum“

Aus der Not mache eine Tugend, heißt es, und eben diesen Leitspruch hat die Stadt Bad Homburg umgesetzt. Weil der Sitz ihres Städtischen historischen Museums, das selbst unter Denkmalschutz stehende Gotische Haus, saniert werden muss, musste eine Vielzahl von Objekten aus- und zwischengelagert werden. Die meisten von ihnen kamen in – geheimen – Depots unter, 40.000 Stück aber im Horex Museum, das zum Schaudepot umfunktioniert wurde. So weit bekannt, gibt es diese Art der musealen Präsentation noch nirgendwo. Natürlich wird hier die reiche Bad Homburger Geschichte kompakt dargestellt, Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr betont jedoch immer wieder, dass diese Einrichtung kein „Heimatmuseum“ sei. Die Sammlungen enthielten viel mehr wahre Kunstobjekte wie Gemälde aus vier Jahrhunderten, Skulpturen und wertvolle böhmische Brunnengläser. Die kulturhistorischen Sammlungen sind seit langem überregional bekannt und werden häufig für Sonderausstellungen ausgeliehen. Zudem dienten schon einige der über 4000 Hüte und Teile der historischen Kleidung auch als Anregung für imitierte Requisiten. Alles was Frau und Mann in den vergangenen Jahrhunderten zu den verschiedenen Gelegenheiten getragen haben, ist in meterhohen Regalen gelagert. In Spezialkartons, die Lichtschäden, Säureschäden und Mottenbefall verhindern sollen.

Damit ist auch die Bezeichnung Schaudepot erklärt: 40.000 Objekte auf 380 Quadratmetern, das bedeutet, dass nicht alle sichtbar ausgestellt sind. Neben den Kleidungsstücken und der verhältnismäßig kleinen, in einem Schrank verstauten Auswahl an Hüten werden noch etliche Exponate mehr in Kisten, Kästen und Tresoren verwahrt. So zum Beispiel die Waffensammlung der einstigen Landgrafen, die Hutnadeln, die an Agatha Christies Krimi erinnern, und auch die vielen Grafiken. Alles kann bei Führungen aus den Lagerstätten geholt und von den Wissenschaftlern gezeigt und erklärt werden. 

Es gibt jedoch auch beim Gang durch das Museum viel zu sehen. Allein die Treppe hinauf begleiten den Besucher Dutzende von Augen: An schlichten Gittern sind in „Petersburger Hängung“, das heißt dicht an dicht, die Porträtgemälde bedeutender Bad Homburger Persönlichkeiten angebracht. Von den Landgrafen und ihren Familien bis hin zu Altoberbürgermeister Wolfgang Assmann, den Max Kaminski in den 1980er-Jahren mit Pinselstrichen festgehalten hat. Diese Kunstwerke werden in den kommenden Monaten immer mal wieder durch jene ausgetauscht, die in den Geheimdepots warten, so dass die Besuche abwechslungsreich bleiben. Damit jeder weiß, um wen es sich handelt, besteht die Möglichkeit, in Ausstellungskatalogen nachzulesen oder sich anhand einzelner Aufsteller zu informieren. Nach Ostern wird es eine Museums-App geben, mit der man sich per Smartphone erzählen lassen kann, was es mit den Exponaten auf sich hat. 

Dann kann man etwa auch hören, wie die historischen Instrumente klingen, die ganz oben, quasi unter dem Dach, ihren Platz gefunden haben. Übrigens neben einer Reihe von wunderschönen Originalmöbeln. Romantische Ansichten des alten Homburg, eine römische Schale aus Terra Sigillata, die an einem Brunnen im Kurpark gefunden wurde und beweist, dass die Heilquellen Homburgs schon vor 2000 Jahren bekannt waren, die Originalnähmaschine von Sophie Opel, geborene Scheller aus dem heutigen Stadtteil Dornholzhausen, ein herziges Puppenhaus von Prinzessin Elisabeth, der Tochter Landgraf Gustavs, sind weitere Bespiele der Ausstellung. Und natürlich zwei Exemplare von denen, die dem Museum seinen Namen gaben: Horex-Motorräder, die bis in die 1960er-Jahre in Bad Homburg gebaut wurden. 

Dr. Grzechca-Mohr plant zudem Sonderausstellungen. Zurzeit ist es eine Werkauswahl der Künstlerin Isolde Schmitt-Menzel. Sie erfand die „Maus“, die in der „Sendung mit der Maus“ zu vollen Ehren kommt und erst jüngst ihren 50. Geburtstag feierte. Isolde Schmitt-Menzel lebte viele Jahre in Bad Homburg, nun können im Schaudepot im Horex Museum bunte Originalzeichnungen und Keramiken von ihr besichtigt werden. 

Für der Pandemie entsprechende Besichtigungsmöglichkeiten ist ab voraussichtlich 18. April gesorgt. Anmeldungen sind zwingend notwendig und werden unter Telefon 06172-100 4133 sowie an den Öffnungstagen unter Telefon 06172-1013167 entgegengenommen. Dann erfahren Besucher auch die Hygiene-Bedingungen. 

Öffnungszeiten: Mittwoch 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr. Führungen auf Anfrage. Eintritt: 2,50 €, ermäßigt 1,00 €.

Schaudepot im Horex Museum, Horexstraße 6, 61348 Bad Homburg vor der Höhe, Tel.: 06172-1013167 (Schaudepot), 06172-100 4133 (Museumsverwaltung), E-Mail: bad-homburg.de/museum.

 

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