28.04.2021

Kunstinstallationen: Was wäre die Welt ohne Hölderlins „O!“

O! ist die eindringlichste Vokabel im Wortschatz von Friedrich Hölderlin: O schön, O wunderbar, O das ist gut, O das ist hart! O dass du daran mich erinnerst! Diesen Ausdruck des Erstaunens, der Freude, des Erschauerns sei heutzutage verloren gegangen, und es gelte, ihn zurückzugewinnen, meinen Studierende der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Die Stadt Bad Homburg als einstiger und prägender Wohnsitz des Dichters hat sie zum 250. Geburtstag Hölderlins eingeladen, sich mit dem dichterischen Werk in Form von Installationen und performativen Ereignissen zu befassen. Die Ergebnisse sind nun, im „verlängerten Hölderlin-Jahr“, vom 30. April bis 24. Mai zu betrachten, zu bestaunen und zu bedenken. Über den Stadtraum und die Parkanlagen Bad Homburgs verteilt, finden sich poetische Momente, die Leben und Werk Hölderlins zu neuem Leben erwecken und eine Brücke bauen in unsere heutige Zeit. An sechs Stationen ist die Aktualität des Dichters erlebbar. Wie arm wäre doch die Welt ohne O! 

Im Gustavsgarten mit dem Bad Homburger Hölderlin-Zentrum in der Villa Wertheimber befinden sich die meisten Installationen. Valeria Castaño will die Besucher mit einem Geländer verleiten, einen lenkenden Trampelpfad zu verlassen und sich weiter in die Natur abseits des geplanten Weges zu begeben. „umher“ erfordert eine Entscheidung der Besucher. Als „Stiftung des Seins“ bezeichnet Simon Martin seine Skulpturengruppe aus Kunststoff, Stahl und Gips. Des Themas, dass Hölderlin die zweite Hälfte seines Lebens im Tübinger Turm verbrachte, nimmt sich Isabell Ratzinger an. In der Kapelle im Gustavsgarten hat sie ein „Dachzimmer und ein Kellerzimmer“ als Isolationsräume inszeniert. Dieser Teil der Ausstellung kann aufgrund der aktuellen Auflagen momentan allerdings nicht gezeigt werden. Es wird an einer digitalen Lösung gearbeitet, um das Kunstwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 In der Parklandschaft rund um das Gotische Haus lässt Michelle Harder in einer Grube eine Hügellandschaft entstehen. Daraus erheben sich Figuren aus Erdmaterial als Variationen menschlicher Körperformen. „Der Ausbruch“ soll eine Vergegenwärtigung von Hölderlins tiefem Sehnen nach der Verbindung mit dem All sein. Im Kurpark und im Kleinen Tannenwald treffen Spaziergänger auf seltsame Passanten, deren Kleidung zum einen an die Zeit Hölderlins erinnert, zum anderen aber auch das Maßregeln, Wegsperren und Fixieren jener Menschen vor Augen führt, die gesellschaftliche Normen nicht erfüllen. Man wird zufällig zu ihnen stoßen, denn die Zeiten für diese Performances von Nadine Wagner werden nicht bekannt gegeben, um Menschansammlungen zu vermeiden. Auch die Performance der „Zweckgemeinschaft Hölderlin“ in der Remise im Gustavs unterliegt den Beschränkungen der Pandemie-Vorschriften. Die Lebensgemeinschaft ist bisher wenig in Erscheinung getreten. Sie setzt sich aus einer Außenseiterposition heraus mit Ideen der Lebensführung, -reform und -optimierung sowohl praktisch als auch theoretisch auseinander. Mehr Informationen zur Zweckgemeinschaft unter https://hoelderl.in/. 

An den Projekten beteiligten sich folgende Lehrgebiete der HfG Offenbach: Bühnenbild/Szenischer Raum, Experimentelle Raumkonzepte, Performance im erweiterten Feld und Kommunikationsdesign.

Die Eröffnungsfeier kann leider nicht wie ursprünglich geplant stattfinden. Im Laufe der Ausstellung werden die Projekte digital begleitet und dem Publikum auf den verschiedenen Kanälen der Stadt und der HfG zugänglich gemacht. 

Termine und aktuelle Informationen unter www.bad-homburg.de/hoelderlin.

 

 

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