03.11.2021

Ein begnadeter Homburger Orgelbauer wurde vor 300 Jahren geboren: Johann Conrad Bürgy

Ein Kleinod unter den Kulturspielstätten Bad Homburgs stellt die Schlosskirche dar, die seit drei Jahrhunderten in einem Flügel des Schlosses Bad Homburg untergebracht ist, vor langer Zeit schon säkularisiert und in den 1980er-Jahren saniert wurde. Im gleichen Zuge baute man auch die Orgel wieder auf, von der nur noch Teile existierten. Erschaffen hatte sie Johann Conrad Bürgy, ein damals bekannter und geschätzter Orgelbauer in Homburg vor der Höhe, den auch Kirchengemeinden im weiten Umkreis mit Aufträgen betrauten. Die meisten Instrumente von ihm sind nicht mehr erhalten. Der begnadete Orgelbauer Bürgy selbst droht ebenfalls der Vergessenheit anheim zu fallen – ein guter Grund, zur 300. Wiederkehr seines Geburtstages an ihn zu erinnern.

Johann Conrad Bürgy war gebürtiger Schweizer: Am 6. November 1721 kam er in Schaffhausen zur Welt. Sein Handwerk lernte er bei Jacob Courtain in Osnabrück, sammelte Erfahrungen in Österreich und Ungarn und verpflichtete sich 1754 als Geselle bei dem Orgelbauer Johann Friedrich Syer in Nieder-Florstadt in der Wetterau. Zusammen mit ihm baute er die Orgel in Ostheim bei Butzbach. Drei Jahre später heiratete er die 14 Jahre jüngere Syer-Tochter Margaretha. 1764 machte sich Johann Conrad in Homburg vor der Höhe selbstständig und bezog ein Haus in der Mußbachstraße in der Altstadt, das so eng war, dass man auf der Treppe die Füße seitwärts stellen musste. Später zog die Familie in die Löwengasse, gleichfalls nahe der Schlosskirche, für die Bürgy zwischen 1782 und 1787 eben jene Orgel baute, die heute wieder erklingt. Sie war seine größte, sein Meisterwerk. Die Orgel verfügt über 38 Register auf drei Manualen und Pedal und erlaubt etliche Klangvariationen, angefangen bei Solostimmen bis zum majestätischen Tutti-Klang. Eine Besonderheit ist das Echo-Werk. Dessen Windladen und Pfeifen stehen im unteren Teil der Orgel verdeckt, so dass die Töne Umwege nehmen müssen und dadurch wie ein Echo klingen.

Dieses herausragende Beispiel mitteldeutscher Orgelkunst hatte keine hundert Jahre Bestand. Die Schlosskirche war zu feucht. Also wurde das Instrument abgebaut, und nur das Gehäuse, das Orgelgebläse und die Prospektpfeifen blieben stehen. Alte Pläne des Meisters aber gab es noch. Sie dienten als Grundlage für den Neuaufbau der ältesten Orgel Bad Homburgs durch die Licher Orgelbau-Fima Förster & Nikolaus. Der wurde von einem von Bürgern gegründeten Kuratorium, dem Kuratorium Bad Homburger Schloss, initiiert, genauso wie die Restaurierung der damals als Abstellkammer dienenden Schlosskirche. Seitdem wird der barocke Bau für Konzerte, Lesungen und weitere Kulturveranstaltung genutzt. Auch mit Unterstützung des Kuratoriums, das unter anderem einmal im Monat samstagvormittags zum kostenlosen Besuch einer Orgelmatinee einlädt. Dann lassen junge Organisten, Stipendiaten des Kuratoriums, die Bürgy-Orgel erklingen.

Johann Conrad Bürger verstarb am 17. April 1792 in Homburg. Seine drei Söhne führten die Orgelbauwerkstatt zunächst gemeinsam weiter, trennten sich aber nach dem Tod der Mutter 1808. Der Jüngste, Johann Georg Bürgy, ehelichte in ein Orgelbau-Unternehmen ein. Dessen Geselle Georg Förster gründete die Licher Fima Förster & Nikolaus, die die Bad Homburger Bürgy-Orgel in den 1980er-Jahren dann rekonstruierte.

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